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  • AutorenbildSebastian Henrich

Warum ich eine Petition gegen den Bau eines Schweinemastbetriebs nicht unterzeichnen werde



Es werden Bäume gefällt, Lebensraum zerstört, Tiere sterben, Tiere werden gemästet und geschlachtet werden - und das alles auf des Münsteraner heiligem Grund der Hohen Ward, einem schönen Waldstück im Süden der Stadt. Zweifellos handelt es sich um ein hochschädliches Projekt mit dem widerwärtigen Geschmack bluttriefender Messerklingen.

Wie maß ich - als leidenschaftlicher Veganer - mir also an, nicht meinen Namen in die Petition zu setzen und den Bau mit allen Mitteln zu unterbinden?


Seitdem werden es wohl kaum weniger Schweine geworden sein, deren Haltung sich dauerhaft katastrophal auf die Umwelt auswirkt. Folglich ist es erstaunlich, dass sich Münsters SPD und Grüne in den letzten 4 Jahren ziemlich zurückhielten, was den Kampf gegen lokale Mastbetriebe betrifft. Aber jetzt, wo den Schweinen faktisch hinter den Bäumen der sonntäglichen Spazierroute die Kehle durchgeschnitten werden soll, ist es der scheingrünen Politik und dem umweltaktivistischen Pöbel dann doch zu bunt - Tiere auf dem Teller ja - aber die mögen bitte außerhalb der idyllischen Münsteraner Wohlstandsblase dahingerafft werden.


Es bedarf keiner journalistischen Akribie, herauszufinden, dass einem Großteil der partizipierenden, selbsternannten Klimaaktivisten und Tierfreunden lokaler Umweltschutz und Tierwohl höchstens bis zum Tellerrand reichen. Denn auch in noch so hippen Läden wächst Hummer nicht an Bäumen. Und wer Käsekuchen ohne #vegan propagiert, dem unterstelle ich eine konventionelle Zubereitung auf Basis von Eutersaft, Kalbraub, Milchkuhschlachtung und Fütterung auf Basis von Soja, für welches jahrtausend Jahre alter Regenwald vernichtet wird. Und auch das herrliche abendliche Dinner weist für den Betrachter tierische Körperteile und Sekret auf.


Wenn mir also dieses geballte Exempel grüngewaschener Teilzeit-Scheinaktivisten vermitteln möchte, dass sie den Kampf gegen Tierleid ernst meinen, so haben sie kläglich versagt, und mit ihnen ein Teil X der über 5.000 Unterschriften.


Sollte die Petition unwahrscheinlicherweise Erfolg haben, und der Bau des Mastbetriebes eingestellt und an einen anderen Ort verlagert werden, hat der unterzeichnende Klimahüpfer nichts gewonnen außer der egozentrischen Befriedigung, den Weltfrieden in Münster gewahrt und blutrünstige Schweineschlachtung in weniger schützenswerte Gebiete ausgelagert zu haben. Natürlich befinden sich unter den Unterstützern der Petition auch Veganer und somit konsequente Tierschützer - und wohl jeder hegt rein gute Absichten.


Aber: Sollte der Bau vollendet und in Zukunft schweinemäßig benutzt werden, ist dies womöglich ein nötiges Übel, um den Kampf für Veganismus voranzubringen. Denn wem Tiere etwas bedeuten, fördert die Verbreitung von Veganismus und nicht den Stopp eines Schweinemastbetriebs, nur weil dieser droht, vor der eigenen Tür zu landen und ungemütliche Realitäten zu servieren.

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